1. Wieso hast du dich für einen BFD in der Open School 21 entschieden?

Nach meinem Studium wollte ich unbedingt raus aus den akademischen Kontexten und meine theoretischen Erkenntnisse in einer politisch ansprechenden Umgebung abgleichen bzw. sogar anwenden. Die Open School hat sich mir beim Kennenlerngespräch als gemeinnützige Organisation präsentiert, die sich mit meinen Idealen weitestgehend deckte. Das Konzept dieser außerschulischen Bildungseinrichtung, bei der Lehrer_innen Angebote zu Themen des Globalen Lernens für ihre Schulklassen buchen können, fand ich gleich sehr interessant. Ich finde es wichtig, dass Lernen und Bildung eben nicht nur in der Schule passiert und darüberhinaus auch kritische Zugänge zu Wissen angeboten werden. Viel zu häufig ist ebendies im klassichen Schulunterricht nicht möglich.

OpenSchool

Eingang zur Open School 21

Ich konnte mir zum Zeitpunkt meiner Bewerbung nur schwer vorstellen, was unter Globalem Lernen zu verstehen ist. Klar, die Worte sind mir irgendwie bekannt gewesen, nur zusammengesetzt hatte ich sie so noch nicht gesehen. Damals fand ich besonders die Angebote der Open School zu jungen Leuten, die in Hamburg auf der Straße leben, zu Rassismus und zur kolonialen Vergangenheit Hamburgs sehr spannend. Mittlerweile weiß ich, dass das Globale Lernen selbst erfahrendes Lernen, interessante Methoden und eben verschiedene Lernorte und Wissenszugänge umfasst, um herauszuarbeiten, welchen Einfluss Alltäglichkeiten auf das Leben von Menschen in anderen Regionen der Welt haben oder solchen, die hierzulande den Normen der hiesigen Gesellschaft nicht gerecht werden. Auch Nachhaltigkeit, Konsum und Klima sind Themen des Globalen Lernens, wie ich inzwischen gelernt habe.

Meine Entscheidung wurde aber nicht allein von der Organisation und dem, was an Zielen dahinter steht, geprägt. Ich fand das kleine Team der Open School gleich sehr sympathisch und die Räume in Ottensen eine ideale Arbeitsstätte.

2. Wo und wie unterstützt du die Open School 21?

Zu Beginn meines BFDs habe ich die Homepage http://www.change-it.org betreut, habe Texte fürs Programmheft korrigiert, Bilder fürs Programmheft recherchiert und andere Texte Korrektur gelesen. Zudem habe ich kleine Rechercheaufgaben übernommen und mir einen Überblick zu den Angeboten verschafft, durfte an vielen Veranstaltungen selbst teilnehmen und habe dann dem Team dazu eine Rückmeldung gegeben.

Mittlerweile habe ich mir als ein ‚kleines‘ Projekt vorgenommen, verschiedene Inklusionsgedanken in der OpenSchool stärker zu machen. Ich fände es schön, wenn durch meine Recherche, die Aufnahme des Ist-Zustands und zukünftig erste Schritte zur ‚Verbesserung‘ des Ist-Zustands noch mehr Schüler_innen – also auch Kinder und Jugendliche mit Behinderungserfahrungen – an den Angeboten der Open School teilnehmen könnten. Dazu habe ich bereits einige Gedanken und Erfahrungen von Expert_innen eingefangen und bastle momentan an einer Art Checkliste für die Referent_innen der Veranstaltungen, um jede_n einzelne_n dafür zu gewinnen, die Barrieren in den eigenen Veranstaltungen etwas abzubauen.

3. Welche Fortbildungen haben dir am meisten gebracht? Und weshalb?

Besonders schön fand ich erst neulich das Seminar zu den Kulturbrillen in der Zinnschmelze in Barmbek. Ich hatte schon lange ein unschönes Gefühl zur inflationären Verwendung des ‚Kulturbegriffs‘, den es als solchen – wie wir in Kleingruppen erarbeitet haben – ja gar nicht gibt. Wir haben da in einem doch recht persönlichen Umfeld weniger durch Frontalinput wohl allesamt Gedanken entwickelt, die im Alltag oft zu kurz kommen. Die Zugänge zum Thema Kultur wurden bei diesem Seminar durch sehr gute Fragestellungen der ReferentInnen selbst erarbeitet. Das fand ich schön. Der Spaß kam – besonders beim eigentlichen Basteln der Kulturbrille – auch nicht zu kurz. Durch das Basteln werden Fragen an die eigene Person angeregt. Was ist für mich Kultur und was hat Einfluss auf meine Wahrnehmung?

Eine zweite sehr spannende Fortbildung habe ich bei der TIDE Akademie mitgemacht. Dort ging es um das Medienrecht und ich glaube, die Inhalte werden mich (insbesondere was Bildrechte angeht) auch in Zukunft noch begleiten. Ich habe durch die umfangreiche Darbietung des dort referierenden Anwalts einige wichtige Informationen mitnehmen können.

Außerdem fand ich den Rundgang durch Wilhelmsburg mit Margret Markert von der Geschichtswerkstatt Wilhelmsburg & Hafen sehr schön, weil ich dadurch ein ganz neues Bild auf den Stadtteil gewinnen konnte. Ich werde bald noch einmal der Geschichtswerkstatt in der Honigfabrik einen Besuch abstatten und hätte ohne diesen Rundgang sicherlich nie davon erfahren.

4 . Was ist dein Fazit nach 9 Monaten BFD?

Ich glaube, dass ich bislang schon viel dazugelernt habe und dass ich großes Glück mit meiner Einsatzstelle habe/hatte, die meine geringbezahlte Hilfe wertschätzt und mich auch viel selbständig arbeiten lässt. Ich finde es toll, dass das Team darum bemüht war/ist, meine eigenen Stärken für die Organisation zu nutzen. Ich lerne viel aus den allwöchentlichen Team-Meetings und ich finde mein Projekt-Thema auch sehr spannend und hoffe, dass ich mit dem gewonnenen Wissen auch nach meinem BFD-Jahr noch weiterarbeiten kann. Außerdem gehört zu so einem Zwischenfazit für mich auch der Fakt, dass es in Hamburg mit STADTKULTUR auch eine sehr ambitionierte Anlaufstelle für BFDler_innen gibt, an die ich mich jederzeit wenden konnte. Das finde ich alles durchweg positiv.

Trotz dieser positiven Erfahrungen hadere ich allerdings etwas damit, anderen einen BFD zu empfehlen, da das Taschengeld alleine nicht zum Leben ausreicht und ich auch von nicht so guten Erfahrungen gehört habe, wo Leute im BFD schlichtweg als billige Arbeitskraft benutzt wurden oder wo der Eindruck nicht ausbleibt, dass hier an einer richtigen Stelle gespart wurde. Mich stört ausserdem, dass alle Freiwilligen an Fortbildungstagen teilnehmen müssen. Ich hätte manchmal mehr Lust gehabt, die Zeit komplett in meiner Einsatzstelle zu absolvieren. Zum Glück gibt ja die Möglichkeit, sich andere (z.B. einsatzstelleninterne) Fortbildungen als Bildungstage anerkennen zu lassen. Das bewerte ich wiederum sehr gut.

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